Ein Jahr Lorenz A. – Wie lange noch ohne Aufklärung?

Foto von Lorenz A.
Initiative Gerechtigkeit für Lorenz | Foto von Lorenz A.

Hannover, 08.04.2026– Ein Jahr nach dem Tod von Lorenz A. bleiben zentrale Fragen ungeklärt. Der 21-Jährige Lorenz A. starb am 20. April 2025 in Oldenburg, als ein Polizist während eines Einsatzes auf ihn schoss. Bis heute ist unklar, ob das Landgericht die Anklage zulässt und damit ein Verfahren eröffnet wird. Die Grünen in Niedersachsen sehen darin nicht nur einen Einzelfall, sondern auch eine grundsätzliche Frage nach der Aufarbeitung staatlicher Gewalt.

Lena Nzume, MdL von Bündnis 90/Die Grünen, sagt: „Ein Jahr nach dem Tod von Lorenz sind die Fragen noch immer nicht beantwortet. Das Gerichtsverfahren muss vollständig aufklären, wie es zu dieser tödlichen Eskalation kommen konnte. Aber juristische Aufarbeitung allein reicht nicht. Wir brauchen unabhängige Ermittlungsstellen, verbindliche rassismuskritische Ausbildung für die Polizei und den konsequenten Einsatz von Bodycams. Darüber hinaus wurde Lorenz nach seinem Tod medial entmenschlicht und in das rassistische Bild des gefährlichen und kriminellen Schwarzen Mannes gezwängt – oft in Kombination mit einer Rechtfertigung seiner Tötung. Lorenz war ein Mensch, Sohn, Bruder und Freund. Sein Tod darf nicht folgenlos bleiben.“

Für die Grünen geht es dabei auch um strukturelle Konsequenzen über den Einzelfall hinaus.

Greta Garlichs, Landesvorsitzende der niedersächsischen GRÜNEN, betont: „Wenn ein junger Mensch durch mehrere Schüsse von hinten getötet wird, wirft das gravierende Fragen auf, die nicht einfach vom Tisch gewischt oder ausgesessen werden können. Ohne transparente Ermittlungen entsteht das Gefühl, dass staatliche Gewalt unkontrolliert bleibt. Das schadet Betroffenen und mindert das Vertrauen in die Polizei. Deshalb braucht es eine lückenlose Aufklärung aller zentralen Ermittlungsgrundlagen: das Gutachten zum Schusswaffeneinsatz, mögliche Erkenntnisse zum Pfefferspray sowie die 3D-Rekonstruktion des LKA. Wir werden nicht lockerlassen und fordern endlich Transparenz. Das ist das mindeste angesichts eines Todes, der niemals hätte passieren dürfen.

Die GRÜNEN Niedersachsen unterstützen ausdrücklich den Aufruf der Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ zur Demonstration am 19. April um 14 Uhr am Pferdemarkt in Oldenburg.