„Wer rastet, der rostet“ und „Sich regen bringt Segen“ – diese altbekannten Sprichwörter verdeutlichen es treffend: Bewegung ist essenziell für unsere körperliche Gesundheit. Doch laut dem Robert Koch-Institut gelingt es 52 % der Deutschen nicht, sich ausreichend zu bewegen. Besonders alarmierend ist die Situation bei Kindern und Jugendlichen, die einen erhöhten Bewegungsbedarf haben. Bewegungsmangel führt nicht nur zu einem Verlust an Lebensqualität, sondern auch zu einer Zunahme von Krankheiten und damit verbundenen Krankenhausaufenthalten, sowie verkürzter Lebenserwartung. Dies belastet nicht nur die Einzelnen, sondern auch unser Gesundheitssystem und die Wirtschaft. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entstehen den Krankenkassen jährlich mehr als 2 Milliarden Euro an direkten Kosten durch Bewegungsmangel – und die Tendenz ist steigend. Die indirekten Kosten, etwa durch Arbeitsausfälle, sind noch erheblich höher.
Dabei erscheint das von der WHO empfohlene Mindestmaß an Bewegung – 21,5 Minuten täglich für Erwachsene und 60 Minuten für Kinder und Jugendliche – auf den ersten Blick durchaus machbar. Alltägliche Aktivitäten wie das Radfahren zur Arbeit oder ein Spaziergang mit dem Hund zählen bereits dazu. Doch die Realität zeigt: Viele Menschen schaffen es nicht, diese Empfehlungen umzusetzen. Deshalb müssen die politischen Maßnahmen zur Förderung von Bewegung und Sport deutlich verstärkt werden.
Unser Einsatz für Bewegung in Niedersachsen
Als Grüne Niedersachsen wollen wir Bewegung als wesentlichen Bestandteil eines gesunden und aktiven Lebensstils in jeder Lebensphase fördern. Besonders unterstützen wir dabei die Arbeit unserer Sportvereine und das wertvolle ehrenamtliche Engagement.
Früh übt sich: Die Basis für lebenslange Bewegung
Die Grundlage für Freude an Bewegung wird in der Kindheit gelegt. Schulen tragen hier eine besondere Verantwortung, da Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihres Tages dort verbringen. Wir begrüßen daher den „Pakt für Niedersachsen“, den die Landesregierung in der vergangenen Legislaturperiode gemeinsam mit dem Landessportbund geschlossen hat. Dieser Pakt unterstützt Projekte zur Sportförderung in Kitas und Schulen. Auch der Vorschlag eines „Jugendsportpasses“ ist ein guter Ansatz, den wir auch in Niedersachsen vorantreiben wollen. Insbesondere für Ganztagsschüler*innen sind ausreichende Bewegungsangebote entscheidend. Wir setzen uns daher dafür ein, dass die täglich empfohlene Bewegungszeit von 60 Minuten bei Kindern und Jugendlichen in den Schulen möglichst umgesetzt wird.
Bewegung am Arbeitsplatz: Gesundheitsförderung für Beschäftigte
Für Beschäftigte, die überwiegend sitzende Tätigkeiten ausüben, ist die Förderung von Bewegung am Arbeitsplatz besonders wichtig. Wir begrüßen, dass viele Unternehmen bereits Maßnahmen zur Gesundheitsförderung implementiert haben. Allerdings profitieren vor allem größere Unternehmen von diesen Angeboten. Deshalb setzen wir uns verstärkt dafür ein, dass auch kleine und mittlere Unternehmen bei der Bereitstellung niedrigschwelliger Bewegungsangebote für ihre Mitarbeiter*innen unterstützt werden.
Breitensport, Ehrenamt und Hauptamt stärken Der Breitensport in Niedersachsen wird maßgeblich durch das ehrenamtliche Engagement von Trainer*innen, Betreuer*innen und vielen weiteren Menschen getragen. Dieses soziale Miteinander fördert nicht nur den Sport, sondern auch die Demokratie. Langfristig kann dies jedoch nur mit einer stärkeren Unterstützung des Ehrenamtes und des Hauptamtes gelingen. Gemeinsam mit dem organisierten Sport,der Wissenschaft und der Wirtschaft wollen wir Strukturen entwickeln, die das Ehren- und Hauptamt im Breitensport miteinander verbinden und dabei ressourcenschonend und attraktiv gestalten. Das Hauptamt ist wichtig, gleichzeitig muss dabei die unabhängige Kultur der Vereine bewahrt werden. Mit der Vereinbarung zur Übernahme der GEMA- Gebühren durch das Land Niedersachsen für Vereine ist ein erster wichtiger Schritt getan, um die Vereine finanziell und bürokratisch zu entlasten. Auch in Zukunft werden wir uns für weitere Maßnahmen einsetzen, die Sportvereine bürokratisch und finanziell entlasten.
Sport und Bewegung dürfen nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Deshalb begrüßen wir, dass die Mitgliedschaft von Kindern und Jugendlichen im Sportverein aus Familien, die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Sozialhilfe, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen, aus dem Bildungs- und Teilhabepaket gefördert wird. Leider wird diese Möglichkeit noch zu selten genutzt. Deshalb wollen wir gezielter über diese Möglichkeit informieren, und prüfen ob die derzeitige Höhe der Förderung noch ausreichend ist und uns nötigenfalls dafür einsetzen, die Höhe an den tatsächlichen Bedarf anzupassen.
Sport findet überwiegend vor Ort statt. Darum arbeiten wir weiter daran, Sportkonzepte, Sportstättensanierung und weitere Maßnahmen, die den Sport unterstützen in den Kommunen zu fördern.
Sport für alle: Barrieren abbauen
Die oftmals hohe Belastung durch Care-Arbeit erschwert es vielen Menschen, Raum für gesunde Bewegung zu schaffen. In einem Teufelskreislauf aus großer Belastung und daraus resultierender Erschöpfung bleibt wenig Energie, um die eigene körperliche Gesundheit zu stärken. Wir erkennen dieses Problem an und sehen die Lösung in mehr staatlicher Unterstützung und Entlastung für diejenigen, die durch unbezahlte Care-Arbeit zum Funktionieren unserer Gesellschaft beitragen.
Organisationen und Vereine, die sich für unterrepräsentierte Gruppen im Sport einsetzen – etwa Menschen mit Behinderung, queere Sportler*innen und andere – verdienen besondere Stärkung und volle Unterstützung.
Sexueller Missbrauch ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das auch den Sport betrifft. Zahlreiche Fälle sexualisierter und interpersonaler Gewalt im Spitzen- und Breitensport sind bekannt. Machtmissbrauch in jeder Form gefährdet die Integrität des Sports. Gewalt darf keinen Platz haben und muss konsequent bekämpft werden. Sportvereine und -verbände stehen in der Verantwortung, besseren Schutz vor sexueller Gewalt zu gewährleisten. Die durch die Bundesregierung begonnenen Maßnahmen müssen weiterverfolgt und ausgebaut werden. Außerdem begrüßen wir das Kinderschutzgesetz, womit die Förderung von Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt in Sportvereinen in Kooperation mit dem Landessportbund (LSB) ausgebaut und weitergeführt sowie weiterhin geprüft wird, wie die Stelle für Schutz vor sexualisierter Gewalt bei der Sportjugend im LSB mit einer Erweiterung der Kompetenzen im Bereich physische und psychische Gewalt gestärkt werden kann.
Sport und Bewegung: Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Bewegungsmangel ist kein Luxusproblem. Sport und Bewegung fördern die Gesundheit, stärken den sozialen Zusammenhalt , können Inklusion stärken und unterstützen die Integration. Als Grüne Niedersachsen stehen wir hinter allen Maßnahmen, die darauf abzielen, Bewegung und Sport in der gesamten Gesellschaft zu fördern.