Beschluss der LDK in Emden am 25./26. April 2026
Kulturelle Teilhabe ist Daseinsfürsorge für jung und alt
Im Dezember 2025 ist der bundesweite Kulturpass für 18-Jährige ausgelaufen. Dieser wichtige sozial- und kulturpolitische Meilenstein, war einer der herausragendenErfolge der Ampel-Koalition und hat hunderttausenden jungen Menschen in Deutschland die Möglichkeit eröffnet, kulturelle Angebote von Theater und Konzerten über Ausstellungen bis hin zu Büchern, kostenfrei zu erleben.
Kultur darf kein Luxusgut sein, sie ist ein zentraler Baustein für Bildung, Identitätsbildung, soziale Integration, psychische Gesundheit und Spaß am Leben. Gerade in einer Zeit steigender Lebenshaltungskosten, Inflation und wachsender sozialer Ungleichheit darf kulturelle Teilhabe nicht mehr nur denjenigen vorbehalten bleiben, die über hohe finanzielle Mittel verfügen. In Niedersachsen ist jedes fünfte Kind und Jugendliche von Armut bedroht. Viele junge Menschen müssen zwischen Grundbedürfnissen wie Essen, Miete und Bildung entscheiden und oft fallen kulturelle Angebote als „nicht notwendig“ weg. Die Schere zwischen Arm und Reich zeigt sich auch in der Teilhabe an kulturellen Angeboten.
Daher fordern wir:
Niedersachsen muss prüfen, wie der Kulturpass im Land wieder eingeführt werden kann.
Warum der Kulturpass dringend notwendigist!
Junge Erwachsene stehen vor einer Vielzahl von Herausforderungen: Studiengebühren, Mieten, Lebensmittelkosten, Mobilität. Ein Kulturpass mit einem einmaligen Budget von 200 € ermöglicht es ihnen, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. So stärken wir die Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben: unabhängig von Herkunft, Wohnort oder sozialem Hintergrund. Der Kulturpass ist ein wirksames Instrument der sozialen Gerechtigkeit. Ein flächendeckender Kulturpass stärkt die Kulturszene vor Ort: Theater, Museen, Musikschulen, Jugendzentren und freie Kulturschaffende profitieren von mehr Besucher*innen. Eine junge Zielgruppe kann die Kulturinstitutionen der eigenen Region entdecken. Dies schafft Nachhaltigkeit und Wertschöpfung in der regionalen Kulturwirtschaft.
Junge Menschen, die kulturelle Angebote nicht wahrnehmen können, sind häufiger von sozialer Isolation betroffen. Kultur ist ein Raum der Begegnung, des Austauschs und der Identitätsfindung. Der Kulturpass ist daher nicht nur ein finanzielles Instrument, sondern auch ein Hebel für Teilhabe und Resilienz. Außerdem kannein Kulturpass das Vertrauen junger Menschen in politische Institutionen und die Demokratie stärken.
Das Ziel muss die bundesweite Wiedereinführung des Kulturpasses sein.
Finanzierung und langfristige Sicherung
- das Land Niedersachsen prüft, wie die Einführung eines Kulturpasses für 18-Jährige möglich ist. Dabei prüft das Land, inwieweit sich andere Stakeholder an der Finanzierung beteiligen.1
- Besonders prüft das Land, ob gegebenenfalls im Rahmen eines Modellprojektes besonders von Armut betroffene junge Menschen zunächst einen Kulturpass erhalten.
- Wird der Kulturpass eingeführt sichert das Land die Mittel für den Kulturpass mittelfristig ab.
- Überdies setzt sich das Land auf Bundesebene aktiv dafür ein, dass die Finanzierung des bundesweiten Kulturpasses wieder aufgenommen wird oder zumindest die Länder, die den Pass einführen einen Bundeszuschuss erhalten.
1In Frankreich beteiligen sich örtliche Unternehmen an der Ausgestaltung und Finanzierung des Kulturpasses.
Ausgestaltung des Kulturpass
Der Kulturpass soll schnell und barrierefreiumgesetzt werden. Die folgenden Kriterien sind entscheidend:
- Eine einfache und barrierefreieApp.
- Automatischer Zugang durch eine datenschutzkonforme Bereitstellung von Zugangsdaten am 18ten Geburtstag, inklusive einer analogen Option.
- Zusammen mit den Kulturverbänden und dem LKJ erarbeitet die Landesregierung ein einfaches Bunchungssystem, wie beim bundesweiten Kulurpass.
Transparenz und Bürger*innenbeteiligung
- Die Landesregierung informiert in ihrem Kulturförderbereicht die Öffentlichkeit über den Stand der Umsetzung sowie das Feedback zum Kulturpass
- Ein Beirat aus Kulturschaffenden, LKJ und Jugendlichen wird eingerichtet, der bei der Umsetzung, Gestaltung, Evaluation und Weiterentwicklung mitwirkt.
- Es wird eine unabhängige Evaluation nach zwei Jahren durchgeführt, unter Berücksichtigung der Nutzung, der Teilhabequote und der finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen.
Fazit:
Der Kulturpass ist nicht nur ein Zeichen der Wertschätzung für junge Menschen und ein Ausdruck sozialer Gerechtigkeit. Er ist auch ein Wirtschaftsförderinstrument. Die Umsetzung einer niedersächsischen Kulturpasses ist grundsätzlich wünschenswert, weil er jungen Menschen die Möglichkeit gibt sich zu engagieren und kreativ sein.