Netze als Rückgrat der Energiewende stärken – Ausbau von Erneuerbaren Energien sichern, Systemintegration verbessern

Beschluss der LDK in Emden 25./26. April 2026

Der Erfolg der Energiewende in Niedersachsen hängt maßgeblich von einer
leistungsfähigen, intelligent gesteuerten und ausbauorientierten
Netzinfrastruktur ab. Niedersachsen ist als führendes Bundesland beim Ausbau der
Windenergie und als Industriestandort sowie als zukünftige
Wasserstoffdrehscheibe in besonderer Weise auf verlässliche und
zukunftsorientierte Rahmenbedingungen angewiesen.

Aktuelle Vorschläge auf Bundesebene zur Reform des Netzengpassmanagements und
zur Steuerung des Ausbaus Erneuerbarer Energien (EE) setzen jedoch falsche
Anreize. Insbesondere drohen sie, den Ausbau von EE zu bremsen,
Investitionssicherheit zu untergraben und die systemische Integration eines
erneuerbaren Energiesystems zu erschweren.

Vor diesem Hintergrund fordert die LDK die niedersächsische Landesregierung auf:

1. Ausbau von EE absichern und beschleunigen

Sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass der Vorrang für Anschluss und
Einspeisung von EE erhalten bleibt und Netzengpässe nicht zu einem strukturellen
Ausbauhemmnis werden. Netzanschlüsse für EE sind zu priorisieren und durch
klare, verbindliche bundesweit einheitliche Verfahren und Fristen zu
beschleunigen.

2. Netzengpässe systemisch und effizient adressieren

Netzengpässe sind vorrangig durch intelligente Systemsteuerung und nicht durch
pauschale Einschränkungen des Ausbaus von EE zu lösen. Dabei setzen wir auf
Netzoptimierung vor Flexibilität vor Verstärkung vor Ausbau (NOXVA-Prinzip).

Maßnahmen zur besseren Nutzung bestehender Netze – wie Prognosen, digitales
Netzmonitoring, Lastflussrechnungen, die Überbauung von Netzanschlusspunkten
sowie weitere Optimierungsinstrumente – sind konsequent anzuwenden und
weiterzuentwickeln.

Erst darauf aufbauend sind Flexibilitätsoptionen wie Speicher und Lastmanagement
zu stärken, bevor netzseitige Verstärkung und Ausbau erfolgen.

Starre und vergangenheitsbasierte Definitionen von Netzengpassgebieten (3 %-
Regel) sind abzulehnen. Stattdessen sind dynamische, prognosebasierte und
regional differenzierte Ansätze zur Netzsteuerung zu stärken.

3. Redispatch als Systeminstrument weiterentwickeln

Sich dafür einzusetzen, dass grundsätzlich sinnvolle Redispatch-Maßnahmen zur
Behebung von Netzengpässen weiterhin als systemdienliches Instrument
ausgestaltet werden und nicht zu einseitigen wirtschaftlichen Risiken für
Anlagenbetreiber führen. Das neu eingeführte Redispatch 2.0 System mit der
Einbindung von EE-Anlagen wirken zu lassen und regulatorisch weiterzuentwickeln.
Marktliche und systemische Signale müssen konsistent ausgestaltet sein, um
effiziente Investitionsentscheidungen zu ermöglichen.

4. Regionale Nutzung von EE und netzdienlichen Speicherbetrieb stärken

Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine stärkere regionale Nutzung von EE
ermöglichen, insbesondere durch die Förderung von Direktstromlieferverträgen
(PPAs), regionaler Industrieversorgung sowie sektorübergreifender Nutzung (E-
Mobilität, Wasserstoff, etc.). Die gemeinsame regionale Nutzung von EE vor Ort
(Energy-Sharing) zu fördern.

Der Einsatz von Speichern – auf verschiedenen Spannungsebenen – ist
wünschenswert und muss auf Netzdienlichkeit ausgerichtet sein. Speicher sind so
in das System zu integrieren, dass sie Netzengpässe reduzieren und nicht
verstärken.

5. Rahmenbedingungen für Netze, Erneuerbare und Speicher verbessern

Für einen kostengünstigen, effizienten und klimaschützenden Ausbau der
Energieversorgung ist eine verlässliche und systemdienliche Weiterentwicklung
des EEG, der Netzinfrastruktur und der Speichersysteme (Batteriespeicher, Redox-
Flow, Wasserstoff) erforderlich.

Sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass der Netzausbau beschleunigt und die
Förderung von Solar-, Wind- und Bioenergie verlässlich und auskömmlich
ausgestaltet wird. Dazu gehört eine Erhöhung der Ausschreibungsmengen für die
Windenergie, die Fortführung der Förderung von Photovoltaik – insbesondere auf
Dächern.